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26 Bonner Kostbarkeiten - ein Vademecum zum Tagungsort 2018

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Wäscherprinzessin und Weiberfastnacht

Wäscherprinzessin Franzi I. und ihr Gefolge begutachten den
Karnevalswagen für Weiberfastnacht Foto: Barbara Frommann

Wer hätte das für möglich gehalten: Die Wiege der Weiberfastnacht stand nicht etwa in Köln, sondern im rechtsrheinischen Bonn-Beuel. Wenn jedes Jahr am Donnerstag vor Karneval das Beueler Rathaus von kampferprobten Karnevalistinnen gestürmt wird, geht es um mehr als nur jeck zu sein, es geht um die Macht der Frauen gegen das Patriarchat.

Bereits 1824 wurde das erste Beueler Damenkomitee von aufbegehrenden Frauen gegründet. Das ganze Jahr über leisteten sie Schwerstarbeit im Wäschereigewerbe, ein Gewerk, das sich vor allem in Beuel angesiedelt hatte. Auch ein Großteil der Wäsche aus den umliegenden Städten – sogar auch aus Köln – wurde in Beuel gewaschen und gebleicht. Das Ausliefern der Wäsche war Männersache.

So wurde die Kölner Wäsche per Schiff nach Köln gebracht, und stand ein Transport nach Köln am Donnerstag vor Karneval an, nutzten die Männer natürlich die Gelegenheit, um ausgiebig Karneval zu feiern. Diese Ungerechtigkeit wollten die Wäscherinnen nicht länger duldend hinnehmen, die traditionelle Männerherrschaft im Karneval war ihnen schon lange ein Dorn im Auge. Sie sollte endlich durchbrochen werden.

Der Gründung des ersten Beueler Damenkomitees stand angesichts der Entschlossenheit der Frauen nun nichts mehr im Wege, und so entstand 1824 die erste feministische Keimzelle im rheinischen Karneval. Im Damenkomitee herrschten klare Regeln: die Frauen hatten die Pflicht, über die groben Verstöße ihrer Männer gegen den Hausfrieden und die eheliche Treue oder über deren Alkoholexzesse zu berichten, selbstverständlich unter Ausschluss der Männer. Von Jahr zu Jahr schlossen sich immer mehr verheiratete Frauen (die Möhnen) den organisierten Wäscherinnen an. In den folgenden Jahren wurde der Donnerstag vor Karneval dann mit einem Umzug begonnen und anschließend eine Wiever(Weiber)sitzung veranstaltet, zu der Männer keinen Zutritt hatten.

Der Brauch der Beueler Wäscherinnen überstand die unterschiedlichen politischen Epochen, und noch heute ist der Rathaussturm eine sehr lebendige Tradition. Seit 1958 benennen die karnevalistischen Beueler Weiber eine Repräsentantin aus ihren eigenen Reihen, die sogenannte Wäscherprinzessin, eine einzigartige Figur im deutschen Karneval. Sie zieht als Anführerin, unterstützt von Tausenden kampferprobter Frauen, am Donnerstag vor Karneval zum Sturm auf das Beueler Rathaus, das vom Bonner Oberbürgermeister und weiteren politischen Vertretern, Jahr für Jahr ohne Erfolg verteidigt wird. Ab Mittag haben die Frauen in Beuel dann uneingeschränkt die ihnen zustehende Macht.

 

Letzte Änderung: 21.03.2018