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Bericht der Frühjahrstagung  vom 30.3.-1.4.1998 in Würzburg  

Information in der Region im Zeichen der Globalisierung

In: INFO 7, 1/98

 

Trotz globaler Netze: eigener Input unverzichtbar.
Frühjahrstagung der Fachgruppe 7 in Würzburg (30.3.-1.4.98)

Zwei Schwerpunktthemen beherrschten die Frühjahrstagung der Fachgruppe 7 im VdA (Medienarchivare und Mediendokumentare) Ende März/Anfang April 1998 in Würzburg: Regionalisierung im Zeichen der Globalisierung und: Wo soll ein Medienarchiv mehr investieren, beim Input oder beim Output? Beide Themenkreise haben, das zeigte der Verlauf der Tagung, mehr miteinander zu tun, als auf den ersten Blick scheint. Die globalen Angebote, siehe Internet, erreichen auch die Region; man fragt sich in den Medienarchiven, wie weit überhaupt noch der Aufwand für den Aufbau eigener archivarischer Bestände und eigener dokumentarischer Bearbeitung zu rechtfertigen ist.

Am Ende herrschte Einhelligkeit, daß sowohl materieller wie intellektueller Aufwand beim Input nach wie vor geleistet werden muß, will man dem Nutzerbedarf z.B. in Zeitungs- und Rundfunkredaktionen gerecht werden, und der ist in der Informationsversorgung - auch das hat sich nicht verändert - auf Schnelligkeit, auf Aktualität, auf Genauigkeit, auf Vollständigkeit, auf Authentizität, auf Zuverlässigkeit und auf ein breites Spektrum angewiesen. Alldies kann Internet, können externe Angebote nicht bieten. Franz-Josef Gasterich, Archiv-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, stellte diese Prüfpunkte bei seinem Eingangs-Statement zum "Streitgespräch" der Input/Output-Arbeitsgruppe in den Vordergrund, und er wurde noch am letzten Tag von dem Journalisten Bernd Kliebhan, Hessischer Rundfunk, einem ausgewiesenen Kenner externer Datenbanken, darin bestätigt, daß das Internet eher einem "Informationsdschungel" gleicht, in dem "man sich heillos verlaufen kann".

Dennoch zwingen die globalen Netze und ihre schwindelerregenden Transportmöglichkeiten von Texten, Tönen, Bildern die Medienarchivare zu fortwährend neuen Wirtschaftlichkeits-Berechnungen, vor allem aber auch zu Erweiterungen ihres Berufsbilds. Technik-Kompetenz ist mehr denn je gefragt, wenn es z.B. bei Digitalisierungsprojekten darum geht, die richtige Datenrate - wieviele Megabits pro Sekunde? - und den angemessenen Kompressionsfaktor bei der Datenreduktion einzuplanen.

Die Arbeitsgruppe Multimedia widmete sich ausschließlich einem solchen, fast schon gigantisch zu nennenden Digitalisierungsvorhaben: dem Plan von SAT 1, mit Hilfe von SiemensNixdorf und der Firma TECMATH zwischen 1999 und 2003 ein voll digitalisiertes neues Funkhaus in Berlin aufzubauen. Um Fernsehsendungen wirklich im vollen Umfang digital produzieren, ausstrahlen und archivieren zu können, bedarf es, so wird vorgerechnet, Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe, und so nimmt es nicht wunder, daß die Meinungen über Realisierbarkeit, Finanzierbarkeit und Nutzen einer solchen Kraftanstrengung in Würzburg auseinandergingen. Kennzeichnend für die unentschiedene Situation war auch, daß der eingeladene SAT1-Vertreter an einem Podiumsgespräch noch nicht teilnehmen wollte.

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit, seit Jahren Dauerthema auf den Frühjahrstagungen der Fachgruppe, konnte konkret gestellt werden, als Klaus Heimann, Leiter des WDR-Printarchivs, das Kooperationsmodell einer gemeinsamen Pressedatenbank von fünf ARD-Anstalten (NDR, ORB, SFB, SWR und WDR) skizzierte und Ruth Grünewald (Bayerischer Rundfunk) zusammen mit Hella Schmitt (Süddeutsche Zeitung) den gegenwärtigen Status des gemeinsamen Dokumentations- und Informationszentrums (DIZ) erläuterten. Man hat es hier mit zwei verschiedenen Vorgehensweisen zu tun, die einem gleichen Ziel gelten: beim Input durch Lektorats- und Indexierungskooperation zu sparen und den Output durch ein gemeinsam benutztes elektronisches Instrumentarium zu stärken. Im Falle der ARD-Kooperation ist das elektronische Instrumentarium schon entwickelt und unter einigen Test-Partnern bereits im Einsatz, es bedarf allerdings noch einiger rechtlicher Absicherungen. Bei der DIZ-GmbH steht das Vertragswerk, die Eintragung ins Handelsregister ist erfolgt, während nach geeigneter Hard- und Software noch gesucht wird und mangels digitaler Bestände auch noch nicht viel zu testen ist.

Zu Beginn der Tagung hatte Cornelius Bormann, Chefredakteur der Landesprogramme Fernsehen beim WDR in Düsseldorf, den Tagungstitel "Regionalisierung im Zeichen der Globalisierung" in mehreren dialektischen Schritten analysiert. Die Region solle "die Globalisierung positiv aufnehmen" und sich nicht "abschirmen", aber den nur in der Region "erfahrbaren" Bereich auch nicht einer kontur- und kulturlosen Uniformität opfern. Für die Dokumentation bedeute dies, daß man Regionalprogramme auch am Ort "selber dokumentieren" müsse, die unmittelbare Zusammenarbeit zwischen Archiv und Redaktion sei wichtig.

Wie andererseits der Zugriff auf globale Netze und die Digitalisierung von Pressetexten, Tönen und Bildern die Informationsversorgung der Region ganz entscheidend verbessern kann, demonstrierten zwei "Regional-Profis" aus ihrer Praxis: Martin Vogler, Chef vom Dienst bei der Würzburger "Mainpost", und Frank Hollman, Reporter des BR-Regionalstudios Mainfranken. Vogler machte insbesondere einen Wandel in den Archiv-Funktionen deutlich. Das Archiv einer Regionalzeitung werde zunehmend auch zum Informationsdienstleister für externe Kunden. Ein durchdachter Workflow aus dem digitalen Redaktionssystem in das Archivsystem schafft hier die nötigen Voraussetzungen, wobei sich die "Mainpost" auch beim digitalen Bildfluß (über das System "Pic-Flow") vorbildlich innovativ zeigt. BR-Reporter Hollmann wies nach, wie die Arbeit mit dem digitalen Aktualitätenspeicher DIGAS über den Zugriff auf Systeme, die vordem nur in der Zentrale zu nutzen waren, auch in Regionalstudios zu Einsparungen an Zeit und Material führt.

-270Als Gastgeber zeigte sich die mainfränkische Metropole von der besten Seite. Der "Mainpost"-Verlag und der Bayerische Rundfunk reichten im Zusammenspiel zwischen Chefredakteur Brandstätter und BR-Studioleiter Schellenberger ihre helfende Hand schon im Vorfeld und erwiesen sich mit einer Abendeinladung äußerst spendabel, auch die Deutsche Tagespost, gerade 50 Jahre alt geworden, reihte sich unter die Sponsoren, Würzburgs Oberbürgermeister Jürgen Weber begrüßte auf der Festung Marienberg gleich zweimal die Gäste, bei der Tagungseröffnung und bei einem städtischen Empfang, und das prächtige barocke Ambiente der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz tat bei schönem Wetter ein übriges, daß sich die rund 180 Tagungsteilnehmer ausgesprochen wohl fühlen konnten.

Eckhard Lange


02.03.2009