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Frühjahrstagung in Leipzig
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Rednerliste der Frühjahrstagung 2019


Montag, 8. April 2019


Eröffnungsveranstaltung

Begrüßung
Mario Müller (ProSiebenSat.1 Produktion GmbH)

Grußwort
Prof. Dr. Karola Wille (Intendantin des MDR)

Die Medien-Revolution – Was kommt danach?
Paul-Josef Raue (Journalist und Redaktionsberater, Wolfenbüttel)
Die Medien werden erschüttert, bewährte Systeme zerbröseln, die meisten Jobs sind nicht mehr sicher. Selbst wer Veränderungen ausblendet, täuscht sich nur: Er befindet sich im Zentrum der Revolution, so wie im Augen eines Taifuns eine trügerische Ruhe herrscht. Was genau löst sich auf? Was geschieht mit den Menschen, die aus dem Analogen kommen und sich vor dem Digitalen fürchten? Was kommt nach der Revolution? Welche Jobs überdauern? Welche neuen entstehen? Die Frage nach der Zukunft der Medien ist immer auch die Frage nach der Zukunft der Gesellschaft – und der Demokratie. Wer die Fragen beantworten will, muss Lösungen entwickeln statt Panik zu verbreiten.


Session 1: Metadaten

Metadaten im Zeitalter von Mining und Automatisierung – Herausforderung Urheberauskunft
Anna Pfitzenmaier (DRA, Potsdam)
Die Medien werden erschüttert, bewährte Systeme zerbröseln, die meisten Jobs sind nicht mehr sicher. Selbst wer Veränderungen ausblendet, täuscht sich nur: Er befindet sich im Zentrum der Revolution, so wie im Augen eines Taifuns eine trügerische Ruhe herrscht. Was genau löst sich auf? Was geschieht mit den Menschen, die aus dem Analogen kommen und sich vor dem Digitalen fürchten? Was kommt nach der Revolution? Welche Jobs überdauern? Welche neuen entstehen? Die Frage nach der Zukunft der Medien ist immer auch die Frage nach der Zukunft der Gesellschaft – und der Demokratie. Wer die Fragen beantworten will, muss Lösungen entwickeln statt Panik zu verbreiten.

Holt die Metadaten aus den Archivsystemen! – Werkstattbericht aus dem Deutschlandradio
Thomas Heubner und Markus Waldhauser (Deutschlandradio, Berlin)
Metadaten waren im Deutschlandradio klassischerweise das Geschäft der Archivare; sie kannten und kennen die Vorzüge von strukturierten Daten, Taxonomien und genormten Vokabularen. In den letzten Jahren haben Metadaten im Rundfunk aber massiv an Bedeutung gewonnen – und zwar über die Grenzen der Archive hinaus. Multimedia- und IT-Abteilungen lernen die Vorzüge der Metadaten kennen und reklamieren diese für sich. Denn nichtlineare Verbreitungswege wie Audiotheken sind ohne strukturierte und umfassende Metadaten nur schlecht realisierbar. Auch Weiterentwicklungen der Audiotheken wie beispielsweise durch den Einsatz von Recommender-Systemen sind ohne Metadaten nicht machbar. Also stellte sich die Frage, wie sowohl die Instrumente der Archivare als auch deren Know-how für die Verschlagwortung der Audio-Inhalte genutzt werden könnten, um größtmöglichen Nutzen für die Distribution zu erzielen, ohne die Bedürfnisse der Archive zu vernachlässigen. Im Deutschlandradio arbeiten darum Archiv und neue Stakeholder zusammen, um die Metadaten aus den Archivsystemen zu »befreien«. Wir geben einen Werkstattbericht zur Vorverlagerung der Metadatenanreicherung im Produktionsprozess, beschreiben die Nutzung der ARD-Normdatenbank und die Arbeit der Dokumentarinnen und Dokumentare im Zusammenspiel mit den anderen Beteiligten im Produktions- und Distributionsprozess. In einem Ausblick wird außerdem gezeigt, wie der Prozess künftig durch Nutzung von KI-Entwicklungen (Miningprozesse) weiter optimiert werden soll. Abschließend blicken wir auf die spannende wie entscheidende Frage, wie die Zusammenarbeit über die Grenzen von Abteilungen und Berufsfeldern gelingen kann.

Zukunftsmusik – ein Werkstattbericht des ABD-Musikservice
Martina Rinke (ZDF, Mainz)
Der ABD-Musikservice unterstützt die Programmerstellung des ZDF mit vielfältigen Aufgaben (Musikbeschaffung und -dokumentation, Musikrecherche und -beratung, Vertonungen, Erstellung von Vorspännen etc.). Das gezielt für die speziellen Bedürfnisse des ZDF aufgebaute Repertoire steht in Musikdatenbank und Digitalem Audioarchiv zur redaktionellen Selbstversorgung zur Verfügung, wobei der Ausbau der Suchmöglichkeiten nach Musikinhaltsbegriffen (Stimmungen, moods, keywords), zumal angesichts der Konkurrenz durch diverse Internetplattformen und Library-Angebote, ein immer drängenderes Desiderat wird. Vor diesem Hintergrund wurden in einem fachbereichsinternen Workshop Ideen für die Weiterentwicklung der Systeme und Dienstleistungen erarbeitet, mit einem Schwerpunkt auf Überlegungen zur Einführung einer (semi-)automatischen Anreicherung der Metadaten durch ein Musikanalyse-Tool. Der Projektbericht wird über die Seminarergebnisse informieren und erörtern, ob die aktuell verfügbaren Mechanismen ausreichen, um für die redaktionelle (Selbst-)Versorgung echte und unverzichtbare Mehrwerte zu schaffen. Oder handelt es sich hierbei am Ende doch noch um „Zukunftsmusik“, wenn ja, warum?

Harvesting, Hub und Biografie-Tool – Aktuelle Metadaten-Projekte bei SRF
Dr. Christian Vogg (SRF, Zürich)
Seit D+A bei SRF vor zwei Jahren den Auftrag erhalten hat, sich um das Metadaten-Management im ganzen Haus zu kümmern, also von Radio, Fernsehen, Online, hat sich einiges verändert. So haben sich neue Strukturen etabliert, die den internen Informationsfluss und die Zusammenarbeit verbessern; gleichzeitig erhielt D+A im neuen Newsroom zusätzliche Aufgaben. Darüber hinaus übernahm D+A den Lead bei der Evaluierung und Implementierung KI-gestützter Tools und richtet den Fokus nun verstärkt auf die Generierung und Anreicherung von Metadaten, sowie auf ihren möglichst verlustfreien Transport. Dies führte u.a. dazu, dass jetzt ein zentraler Metadaten-Hub gebaut wird. Einer der Auslöser für dieses zukunftsweisende Projekt war das sog. „Biografie-Tool“. Damit konnte gezeigt werden, dass erst eine externe Verknüpfung und Indexierung der relevanten Metadaten verwertbare Ergebnisse erbringt. Der Vortrag zeigt anhand konkreter Beispiele aus der Praxis, wo einerseits die Schwierigkeiten liegen auf dem Weg, Metadaten noch stringenter zu bewirtschaften; und andererseits, welche kreativen Lösungen möglich sind.

Ein neues Redaktionssystem – leichtes Spiel für Metadaten?
Torsten Linde (MDR, Leipzig)
Welche Chancen für die Prozesse bieten sich? Welche Bremsen lassen sich jetzt lösen, welche schmerzhaften Medienbrüche heilen? Diesen und weiteren Fragen stellt sich der MDR mit seinem neuen zentralen Redaktionssystem. Der Vortrag erläutert, mit welchem Anspruch das Projekt vorangetrieben wird. Prozessoptimierungen und weitreichende Vernetzungen ermöglichen einen ganz großen Schritt nach vorn, bringen aber auch die Anwender, ein Projektteam und die Softwarehersteller an ihre Grenzen. Angesichts der Ablösung mehrerer Altsysteme sind Metadatenflüsse beider Extreme betroffen. Die Bandbreite reicht dabei von einem hochvernetzten Vorsystem des Archivs und Rechtemanagements bis zu einem Altsystem der tagesaktuellen Redaktionen, das nicht mal ein richtiges Datum sondern nur ""gestern"", ""heute"" bzw. ""morgen"" kennt. Der Vortrag geht ein auf Hürden, welche der MDR auf dem Weg zu besseren Metadaten bereits nahm, wo er mehrere Versuche oder auch viel Geduld benötigt(e) und warum. Echte Crossmedialität und eine immer ausgefeiltere, non-linearer Verbreitung zwingen zum Verlassen ausgetretener Pfade. Der Vortrag versucht Impulse zu setzen, Erfahrungen zu vermitteln und zur Diskussion anzuregen.


Dienstag, 9. April 2019


Session 2: newcomer-forum im vfm – Neues aus den Hochschulen

Moderation: Dr. Ute Essegern (Sächsisches Staatsarchiv, Dresden)

Archivdämmerung – Trendanalyse zu Entwicklungen, Perspektiven und Szenarien rund um die Digitalisierung
Katharina Maschlanka (MA Information, Medien, Bibliothek, HAW Hamburg)

Mit Text Mining durch den Dokumenten-Dschungel
Nasrin Saef (MA Informationsverarbeitung, Universität Köln)

Online only - Content quo vadis
Marie-Claire Schneider (h_da, SWR Baden-Baden)


Session 3: Mining und Dokumentation

Moderation: Sabrina Bernhöft (DRA, Potsdam-Babelsberg)

Bereit für die Zukunft? KI in der Mediendokumentation
Monika Azakli und Tobias Schwahn (ZDF, Mainz)
Die Integration von unterstützenden Miningtechnologien basierend auf Künstlicher Intelligenz können die Ressource zur zeitnahen und datenkonsistenten Erschließung von Archivbeständen bilden bzw. unterstützen Um tragfähige und qualitätsgesicherte Konzepte für die Implementierung von Miningtools zu erstellen, ist eine enge Zusammenarbeit von Dokumentaren als Experten für die Generierung und Strukturierung von Metadaten und IT-Kollegen mit dem technischen Know-how zur Implementierung und produktiven Nutzung von KI in den Archiv-Applikationen des ZDF notwendig. Die gemeinsame Durchführung von Proof of Concepts zu Use Cases wie z. B. zur Personenerkennung zielen darauf ab, zum einen die Qualität, zum anderen aber auch den benötigten Aufwand zum Training der Algorithmen in einem „Real-life-Szenario“ einzuschätzen. Auf Basis dieser Erfahrungen sollen im Jahr 2019 KI-Dienste für erste Anwendungsfälle in die Media Asset Management Systeme des ZDF integriert werden.

Herausforderungen bei der Nutzung von Videomining Tools bei ProSiebenSat.1
Sebastian Döring und Alexander Engelhardt (ProSiebenSat.1, Unterföhring)
Die manuelle Verschlagwortung von Content im Rahmen der Archivierung für die weiterführende Verwertung ist nach wie vor Standard in den Medienhäusern. Die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre macht den Einsatz automatischer Videomining Tools aber zunehmend interessant. Dadurch kann sowohl die steigende Anzahl an produziertem und ausgestrahlten Content adressiert werden, als auch die Geschwindigkeit bei der Verschlagwortung erhöht werden. Außerdem kann Content, für den der manuelle Aufwand bisher zu hoch war, verschlagwortet oder zumindest formal klassifiziert werden. Eine Möglichkeit zur Lösung dieser Problematik könnte die Verwendung von Computer Vision Algorithmen sein, welche in der Lage sind, Bewegtbilder automatisiert zu analysieren und zu verschlagworten. Die Verwendung dieser Algorithmen aus dem Bereich des Machine Learning für die Mediendokumentation kann jedoch nicht einfach „Out of the Box“ erfolgen. Ein Grund dafür ist, dass die aktuell verfügbaren Algorithmen nicht vollständig den Anforderungen der Medienindustrie entsprechen. Zwar können diese schon jetzt eine Vielzahl an Objekten, Handlungen und Persönlichkeiten automatisiert erkennen, doch sind diese häufig auf sehr speziellen Datensets trainiert, welche nicht dem Content entsprechen, der täglich von zahlreichen Fernsehsendern ausgestrahlt wird. Ein anderer Grund ist die Heterogenität des Contents. Das heißt, Algorithmen sollten grundsätzlich in der Lage sein, qualitativ gleich gute Ergebnisse auf unterschiedlichem Content zu liefern, seien dies Spielfilme, Serien, Shows, Magazine, Dokumentationen oder Nachrichten. Die Herausforderung besteht also darin, Algorithmen in der Form zu entwickeln oder nutzbar zu machen, dass diese qualitativ gute Ergebnisse über eine breite Masse an unterschiedlichem Content liefern und somit den manuellen Dokumentationsprozess sinnvoll unterstützen oder (teil-)automatisieren. Im Rahmen des Vortrags soll auf die Herausforderungen beim Einsatz von Computer Vision Algorithmen für die Mediendokumentation eingegangen und mögliche Lösungsansätze präsentiert werden. Dabei wird der Fokus nicht auf einer theoretischen Diskussion liegen, sondern vielmehr auf Beispielen aus der Praxis bei ProSiebenSat.1 und welche Ziele wir dabei verfolgen.

Künstliche Intelligenz – Wie verändern sich unsere dokumentarischen Workflows?
Ralf Jansen und Yvonne Thomas (Arvato Systems, Köln)
In diesem Vortrag werfen wir einen Blick darauf, in welchen Bereichen AI unterstützen kann. Nun, da Anwendungen in Workflows abgebildet werden, entstehen enorme Mengen an Metadaten mit variabler Genauigkeit. In Kombination mit effektiven Such-Anwendungen und Editiermöglichkeiten verbessern diese die Arbeitsweisen und beschleunigen diese durch die automatisierte Erstellung von Schlagworten und Entitäten, weiteren Metadaten-Anreicherungen (z. B. Objekt- und Gesichtserkennung) und zusammenhängenden Daten. Was kommt also als nächstes? Trotz der Verbesserung der Genauigkeit der Metadaten ist das oft fehlende Vertrauen in AI-Services noch immer ein großes Problem. Dieser Vortrag wird aufzeigen, wie das Sammeln und Bewerten von KI-generierten Metadaten sowie deren Verbindungen und Abhängigkeiten im Bereich dokumentarische Erhebung effizient genutzt werden kann, um das Vertrauen zu stärken – gepaart mit einer intuitiven Metadatenanzeige, Suche und Schulungen. Dabei untersuchen wir nicht nur Analytics wie Speech-to-Text, Kontext-, Objekt- oder Gesichtserkennung und wie diese in der richtigen Kombination angewendet sowie trainiert werden, sondern auch welche direkten Anwendungsfälle genutzt werden können.


Session 4: "Gekommen um zu bleiben" Medienarchive zwischen Tradition und Moderne

Moderation: Michael Vielhaber (ORF, Wien)

Videos und Diskussionen zu Berufsinhalten im Wandel mit den Gesprächsteilnehmern:
Michael Gabler, (Redakteur bei ARD Online, Mainz)
Dr. Silke Gömann (Leiterin Archive und Dokumen­tation beim rbb, Berlin)
Conrad Leilich (Leiter Content Services bei
Gruner + Jahr, Hamburg)
Hannes Munzinger (Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, München)


Mittwoch, 10. April 2019

 

Session 5: Digitalisierung und Kassation

Moderation: Jörg Wehling (Deutschlandradio, Köln)

EBU-Projekt: Umfrage zur Content-Aufbewahrung nach Digitalisierung
N.N.

Die Angst des Archivars vor der Kassation– Sicherheit durch Kontrolle
Christoph Bauer (ORF, Wien)
Nachdem in vielen Institutionen die Digitalisierung respektive Migration der ehemals analogen oder trägerspezifischen digitalen Bestände voll angelaufen ist oder gar schon abgeschlossen wurde, sind die Archiv-Kolleginnen und -Kollegen dort spätestens jetzt, wenn nicht schon im Vorlauf der Digi-Projekte, mit dem Druck nach „Freigabe von Platz“ konfrontiert. Platzprobleme sind ja an sich nichts Neues in unserem Beruf, aber die massiven „Rückforderungen“, denen viele von uns nun ausgesetzt sind, sehr wohl. Doch kann oder darf man jetzt nach erfolgter Digitalisierung überhaupt mit halbwegs reinem Gewissen „Platz schaffen“, d.h. kassieren? (Die Frage ist hier im Kontext der Erhaltung des Contents im Sinne einer gleichbleibenden Qualität im Rahmen der Digitalisierung/Migration zu verstehen und nicht im Sinne der Artefakt-Sicherung oder als Anmutungs-Erhaltung.) Im Bereich der analogen und digitalen Video-Aufzeichnung kann diese Frage beim ORF mit einem Ja beantwortet werden. Der Vortrag beleuchtet den dieser Antwort zugrunde liegenden Workflow und die dabei eingesetzten Kontrollmechanismen. Eine ausgewogene Mischung aus automatischer und manueller Aufsicht bringt die notwendige Sicherheit: Es darf zeitnah kassiert werden, der Content ist (ge)sicher(t).

Fott domet!? – Video-Kassation in Zeiten von Digitalisierung und Sparmaßnahmen im WDR
Claudia Reckruth (WDR, Köln)
Seit 2011 werden im WDR mit dem Digitalisierungssystem A.D.A.M die Videobestände sukzessive digitalisiert. Die Unterstützung filebasierter und vernetzter Workflows im Fernsehen ist dabei genauso im Fokus wie die Langzeitsicherung der audiovisuellen Essenzen als Programmvermögen. Nach der Digitalisierung ist die Vernichtung der physischen Bestände vorgesehen. Aber warum kassieren wir? Was sind die Kriterien für Videokassation in einer Rundfunkanstalt, was ist der Nutzen? Und nicht zuletzt: Worin bestehen die Risiken einer Kassation? Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich der Vortrag, der auch als Werkstattbericht zum Kassationsprojekt „Video Funkhaus Düsseldorf“ erste Einblicke in das laufende Pilotprojekt gibt.


Session 6: Medienarchive & Öffentlichkeit

Moderation: Dr. Veit Scheller (ZDF, Mainz)

Verantwortung für das Gedächtnis der Rundfunkanstalten
Stefanie Weiß (MDR, Erfurt)
Das Gedächtnis der Rundfunkanstalten sind die Archive! Welche Bedeutung muss Ihnen in Zukunft zugesprochen werden? Welche Verantwortung müssen die Archivare und Dokumentare übernehmen hinsichtlich des audiovisuellen Erbes sowie gegenüber der Gesellschaft? Ist das Bewusstsein in den Rundfunkanstalten sowie in der Politik schon erkannt worden? Wir haben in den vergangenen Jahren über den Wandel im Berufsbild gesprochen, darüber wie sich die technischen Werkzeuge ändern werden, aber wenig über unsere Verantwortung. Forderungen nach einem Zugang zum Archivcontent werden öffentlich diskutiert. Der Beruf des Archivars und Dokumentars ist wichtiger denn je und in der heutigen schnelllebigen Zeit im stetigen Wandel. Aber die Kernaufgaben müssen in den Fokus gerückt werden und verantwortungsbewusst erfüllt werden, trotz der Reformen und Einsparmaßnahmen. Denn wir befinden uns nicht nur in der Aufklärungsphase, sondern mitten in der Realität und im gesellschaftlichen Wandel. Themen wie Rechtsextremismus, NSU, AfD, Reichsbürger, Mafia etc. bekommen immer mehr Bedeutung in der regionalen Berichterstattung. Auf dem Weg werden viele verunsichert durch neue rechtliche Rahmenbedingungen (DSGVO, Bundesarchivgesetz etc.) und die zunehmende Bedeutung von Contentverifikation aufgrund von Fake News. Umso wichtiger ist eine lückenlose Archivierung für eine fundierte Aufklärungsarbeit, auch für die nachfolgenden Generationen. Daher muss der Content an erster Stelle stehen. Ein Einblick in das seit 2000 bestehende Contentarchiv im MDR LFH Thüringen. Mit einem Schulterblick was Archiv- und Redaktionssysteme leisten können und wie wichtig die Kooperation in der ARD, aber auch mit Institutionen, Behörden und der Wissenschaft ist. Sowie ein Überblick über die Bedeutung von Rundfunkarchiven aufgrund von einmaligen Content!

Fernsehen für alle! oder: Was kann ein Katalog?
Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider (UB Leipzig)

Das Loch in der Wand – Öffnung der öffentlich- rechtlichen Rundfunkarchive im Lichte juristischer Machbarkeit
Markus Görgen (SWR, Mainz)
Dem Interesse der Allgemeinheit, zeit- und kulturgeschichtlich relevantes Bewegtbild-Material aus den Archiven des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verfügbar zu machen und zu halten, stehen ungeachtet ökonomischer Möglichkeiten hohe juristische Hürden entgegen. Ist die Frage, ob eine konkrete Produktion einen „archivfähigen“ Beitrag im Sinne des § 11d Rundfunkstaatsvertrags (RStV) bzw. des jeweils einschlägigen Telemedienkonzepts darstellt, noch vergleichsweise leicht zu beantworten, sind im Bereich des Urheberrechts alleine im Hinblick auf die Vielzahl an Produktionsbeteiligten weitgehende Rechteklärungsfragen zu beantworten. Zudem unterscheiden sich die jeweils zu lösenden lizenzrechtlichen Fragestellungen, je nachdem welcher Produktionszeitraum betroffen ist. Demzufolge bedarf es bei der Bereitstellung solchen Materials in Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einer tiefgehenden Auseinandersetzung insbesondere mit rundfunk-, urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Fragestellungen. Die komplexe Thematik ist schließlich vor dem Hintergrund zu betrachten, dass angesichts der schieren Masse an Produktionen Einzelfallprüfungen in der Praxis unmöglich vorgenommen werden können. Es bedarf somit der Festlegung bestimmter Parameter, anhand derer der Aufwand einer Rechteklärung minimiert wird.

Abschlussvortrag
Deep Learning for Visual Computing

Prof. Dr. Bernd Freisleben (Philipps-Universität Marburg)

Schlussworte und Verabschiedung durch den Vorsitzenden des vfm
Mario Müller (Vorsitzender des vfm)

Letzte Änderung: 12.02.2019