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Frühjahrstagung in Bonn

Tagung 17
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Abstracts der Frühjahrstagung 2016


Eröffnungsveranstaltung

Begrüßung
Mario Müller (ProSiebenSat.1 Produktion GmbH)

Grußwort
Lutz Semmelrogge (Programmdirektor Saarländischer Rundfunk)

Content, Kontext, Endgerät
Christian Jakubetz  (Journalist)
Das Publizieren in den digitalen Welten folgt Regeln, die alles bisher Gekannte in Frage stellen. Was bedeutet es, wenn Journalisten und User zugleich mittlerweile zwischen den Kanälen und Geräten virtuos wechseln, wenn jeglicher Inhalt fließt und alte Strukturen wie Programme und Inhaltsverzeichnisse nicht mehr greifen? Ausblicke auf eine Medienwelt, die nicht mehr Zukunft, sondern schon Gegenwart ist.


Session 1: Change

Moderation
Vanessa Freudrich (SRF - Schweizer Radio und Fernsehen SRF)
In Zeiten rasanter Entwicklungen im Medienbereich geraten Dokumentationen und Archive zunehmend unter Druck. Daraus ergeben sich folgende drängende Fragen: Was erwartet uns in der Zukunft? Wie sieht unser neues Berufsbild aus? Mit welchen Aufgaben sind gerade Medienarchive konfrontiert? Und wie entwickeln wir unsere MitarbeiterInnen dementsprechend? Neue und innovative Lösungen sind gefragt in einem Umfeld, das immer weniger Mittel zur Verfügung hat.
Die folgenden zwei Beiträge mit vier ReferentInnen widmen sich diesen Fragen und zeigen mögliche neue Berufsbilder und erfolgreich durchgeführte Change-Prozesse auf - also auf in die Zukunft!


Neues Berufsbild für den Bereich Medienarchive: Archiv Innovationsmanagement
Michael Vielhaber (ORF - Österreichischer Rundfunk)
Archiv. Innovation. Management. Birgt die Kombination dieser drei Termini das Potential für ein neues – und möglicherweise dringend erforderliches – Arbeitsbild im Bereich Medienmanagement? Das war die primäre Forschungsfrage von Michael Vielhaber (Multimediales Archiv, ORF), die er im Rahmen seiner Abschlussarbeit* für das Master Programm „International Media Innovation Management“ (imim-master.com) zu beantworten suchte.
Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit resultieren aus der eingehenden Analyse vorhandener wissenschaftlicher Literatur, sowie der Untersuchung zweier Fallstudien aus dem Bereich Archivprojektmanagement.
Zusätzlich konnten mehr als 200 Medienarchivar/innen aus 17 Ländern motiviert werden, einen eigens konzipierten Fragebogen zu beantworten. Dabei sollten 28 potentielle Kompetenzen und Eigenschaften eines „Archive Innovation Managers“ bewertet werden. Ein besonders bemerkenswerter Aspekt der Auswertungen war jener Umstand, dass sich etwa ein Drittel der Teilnehmer/innen als Führungskraft auf Senior Management Ebene (oder höher) definierte. Daher wurde dieser Gruppe besonderes Gewicht in der Ergebnisanalyse eingeräumt.
Es zeigte sich, dass unter den Teilnehmer/innen an der Umfrage ein weitreichender Konsens über die Sinnhaftigkeit einer Position „Archiv Innovationsmanagement“ besteht. Dieses Einvernehmen zeigt sich auch darin, dass die Bewertungen für die potentiellen Eigenschaften und Begabungen weitgehend übereinstimmen. Die diesbezügliche Kongruenz zeigt sich unabhängig von den diversen geografischen, demographischen und hierarchischen Variablen. Die daraus resultierenden Fragen und Herausforderungen für Medienanstalten und deren Archive sollten jedoch Anlass für weiterer Untersuchungen sein.  
*Die Abschlussarbeit ist unter academia.edu online abrufbar.


Unterwegs mit Baby-Boomern und Digital Natives
Frank  Adam (SWR – Südwestrundfunk)
Gabriele A.  Maier (Die Heldenwerkstatt)
Geribert  E. Jakob (Hochschule Darmstadt h_da – Mediacampus Dieburg)
Die Digitalisierung hat den Archiven in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung beschert. Verändertes Rezipientenverhalten, insbesondere bei den Jüngeren, Multikanalstrategien, Second Screens, Web 2.0 u. v. m. treffen nicht nur die Redaktionen, sondern schlagen bis in die Archive und Dokumentation durch. Mit dieser Entwicklung verschwimmen die Grenzen zwischen den verschiedenen medialen Bereichen wie Print, Hörfunk, Fernsehen, Internet und zwischen öffentlicher und privater Kommunikation mehr und mehr. Die daraus resultierenden strukturellen und inhaltlichen Veränderungen stellen an Führungskräfte und Mitarbeiter hohe Anforderungen: ein radikales Umdenken, die Entwicklung neuer Kompetenzen sowie die Innovation von Berufsbildern sind gefragt.
Bei einem Durchschnittsalter der Archivmitarbeiter in den öffentlich‐rechtlichen Rundfunkanstalten von ca. 48 Jahren ist der größte Teil der Belegschaft aktuell der Generation der Baby-Boomer zuzuordnen. Das wird auch noch eine Zeit so bleiben, wenn Sparzwänge und da‐ mit verbundene Einstellungsstopps weiterhin eine größere Vielfalt der Generationen verhindern. Im Klartext: die durch den Innovationsdruck erforderlichen Change-Prozesse bedeuten Change-Prozesse mit vielen Baby-Boomern und wenigen Vertretern der Generation Y und Z und mit jeweils eigenen Erfahrungshorizonten.
Change-Management hat die Aufgabe Risiken bei der Umsetzung von Change-Prozessen zu minimieren. Die Kernfrage ist: wo und wie müssen die Mitarbeiter, insbesondere die älteren Erfahrungsträger, abgeholt werden, damit sie auch nach dem Change erfolgreich arbeiten? Mitarbeiter in der zweiten Hälfte des Berufslebens sind oftmals wegen ihrer Erfahrung sehr wertvoll für Innovationen. Dennoch können für alternde Belegschaften einige Risiken nachgewiesen werden, deren Beachtung und Vermeidung durch entsprechendes Management für einen erfolgreichen Veränderungsprozess unerlässlich sind.
Der Kongressbeitrag beschreibt die in solchen Situationen auftretenden und konkret verbundenen Risiken und Handlungsfelder und zeigt anhand von Best-Practice-Beispielen, wie erfolgreiches Change-Management mit alternden Belegschaften gelingen kann.


vfm-Mitgliederversammlung

Moderation
Mario Müller (ProSiebenSat.1 Produktion GmbH)


newcomer-forum im vfm – Neues aus den Hochschulen

Moderation
Heiko Linnemann (Greenpeace)
Der vfm vergibt in diesem Jahr zum vierten Mal den Marianne-Englert-Preis. Damit sollen qualitativ hochwertige Arbeiten und Projekte von aktiv Studierenden oder AbsolventInnen von Hochschulen mit dokumentarischem, archivarischem oder bibliothekarischem Hintergrund ausgezeichnet werden. Es geht uns dabei um den Blick über den eigenen Tellerrand, und darum, herauszufinden, welche Themen an den Hochschulen aktuell sind und von unseren Nachwuchskräften bearbeitet und diskutiert werden. Die drei Preisträger dieses Jahres stellen sich in dieser Session mit ihren Arbeiten vor.

Entwicklungsszenarien einer trimedialen Archivorganisation beim NDR
Niko Lipphardt + Jonas Förster (HAW Hamburg)
In den Archiven der Rundfunkanstalten wird zurzeit noch monomedial und nur teilweise mehrmedial archiviert. Um effektivere Lösungen in der neuen Medienumgebung zu schaffen, soll in Zukunft die Trimedialität weiter in den Fokus rücken. Anhand der Rahmenbedingungen und der derzeitigen Planung im NDR wird eine zukunftsfähige Archivstruktur entwickelt und aufgezeigt wie sich die Archive des Norddeutschen Rundfunks an die technischen Gegebenheiten der Medienkonvergenz anpassen können.
 
Web Scraping als Methode der Informationsbeschaffung
Jan Seipel (IID Potsdam / SWR
Die ungeahnte Fülle an frei zugänglichen Informationen im Netz ist für Journalisten häufig Fluch und Segen zugleich. Einerseits ergeben sich Möglichkeiten der Recherche, die noch vor einigen Jahrzehnten undenkbar waren. Auf der anderen Seite kann die Vielfalt der Quellen schnell überfordern und zu einem regelrechten information overload führen. Information Professionals kümmern sich darum, die ungeordneten Informationsströme im Web zu kanalisieren, zu filtern und die relevanten Ergebnisse in einem nutzerfreundlichen Format weiterzuleiten.
 

Team Wallraff: IVENA – ein datenjournalistisches Projekt
Jörn Ratering (infoNetwork GmbH)
Datenjournalismus als Betätigungsfeld für Mediendokumentare. Daten repräsentieren die Wirklichkeit und müssen im Produktionsprozess schnell verfügbar sein. Dazu müssen sie zuvor systematisch aufbereitet und sinnvoll ausgewertet werden. Es müssen neue Schnittstellenkompetenzen erworben, neues Fachwissen in Sachen Statistik, Quellenkompetenz und Datenformaten aufgebaut werden. Das „Team Wallraff"-Projekt der Auswertung von Ivena-Daten ist in diesem Sinne konsequent umgesetzt worden: Von der Datenextraktion, über die strukturierte Auswertung bis hin zur anschaulichen Visualisierung.

 

Session 3: Interface

Moderation
Thomas Lehmann (WDR – Westdeutscher Rundfunk)
Interfaces sind Schnittstellen oder Grenzflächen: zwischen Systemen und Kunden als User-Inferfaces aber auch zwischen den System selbst als API (Application programming interfaces). Um mit einer Oberfläche einem Kunden Orientierung und Sicherheit geben zu können (One 'face' to the customer)oder um Systeme miteinander über Schnittstellen erfolgreich kommunizieren zu lassen, müssen vielfältige Informationen gemappt und prozessuale Anforderungen in Beziehung gebracht und verknüpft werden. Wie kann es da gelingen, einerseits Komplexität an der Oberfläche zu reduzieren oder Datenstrukturen und Prozesse an den Systemgrenzen durchlässig zu gestalten, ohne andererseits die gegebene Vielschichtigkeit oder die medienspezifischen Eigenheiten zu zerstören? Crossmedialer Reichtum kann leicht zum Alptraum werden.
3 Präsentationen geben uns auf unterschiedliche Weise Einblick in die jeweilige 'Black box', die sich nicht selten hinter den vorgelagerten 'Interfaces' befindet: It's Facetime.

Technische Hintergründe der Deutschen Digitalen Bibliothek (Arb.titel)
Jochen Schon (Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS)

Projekt: ObjectDB
Waltraud Wiedermann (APA-DeFacto Datenbank & Contentmanagement GmbH)
Rüdiger Baumberger (APA-DeFacto Datenbank & Contentmanagement GmbH)
Herausforderung: Crossmediales Storytelling
Artikel und Beiträge aus klassischen, linearen Medien diffundieren nicht nur auf Webseiten, sondern auch in die Kanäle der Sozialen Medien (Facebook, Twitter, Whatsapp, Pinterest, …), und wirken diese Soziale Medien auf die klassischen, linearen Medien zurück. Die Herausforderung besteht heute darin, diese Erscheinungsformen eines Medium in den unterschiedlichen Kanälen und Plattformen im Archiv logisch so abzulegen, dass die crossmediale Darstellung sowohl in der retrospektiven Recherche als auch im laufenden Monitoring (für Redaktionen, Pressestellen, etc.) bestmöglich gewährleistet ist. Für den Rezipienten sollen die crossmedialen Erzählstränge (Print, Radio, TV, Online, Soziale Medien) gemeinsam, geschlossen und einheitlich darstellbar werden.
Projekt ObjectDB (Durchführungszeitraum 2015-2016)
Sämtliche verfügbaren Metadaten aus allen erreichbaren Kanälen (Auflage, Reichweite, Leser, Zielgruppen, Regionen, Follower, Abonnenten, Likes, Shares,…) werden zukünftig zentral in der ObjectDB abgelegt. Alle Daten, die derzeit in externen Systemen (SQL, Oracle) liegen, werden schrittweise in die zentrale ObjectDB überführt.

→ Jede Quelle und jeder Artikel in der Datenbank soll über sich selbst Bescheid wissen!
Eine Schnittstelle

Die ObjectDB wird innerhalb derselben Datenbanklogik wie die Volltexte (Artikel, Beiträge) verfügbar gemacht. Sämtliche darin verfügbaren Inhalte (redaktionelle Inhalte und Metadaten) sind über eine einzige, einheitliche Standardschnittstelle abruf- und verwertbar.
Im Zusammenspiel mit bereits vorhandenen und eingespielten semantischen Technologien können ganz neue Möglichkeiten des crosmedialen Storytelling geschaffen werden.
ObjectDB als Recherchequelle
Durch die Bereitstellung der ObjectDB innerhalb derselben Datenbanklogik wie die „klassischen“ Volltexte werden die Inhalte der ObjectDB zu ganz „normalen“, über die vorhandenen Standardschnittstellen zugänglichen, Rechercheobjekten. Das eröffnet in der Folge Möglichkeiten für neue Rechercheansätze und Big Data Anwendungen.

Bausteine einer Strategie für das ORF Multimedia-Archiv 2020
Gerhard  Stanz (ORF – Österreichischer Rundfunk)
In einer Fallstudie aus dem Multimedia-Archiv des ORF wird an Beispielen aus der Praxis der Status als auch der Prozess der Strategieentwicklung für das multimediale Archiv eines Public Broadcasters vorgestellt. Ziel ist eine permanente Verbesserung der Dienstleistung für den Nutzer als auch eine adäquate Weiterentwicklung der Bestandspflege in der Digitalen Domäne. Folgende Themenfelder sollen dabei angeschnitten werden:
Die Kundenbeziehung: Veränderungen durch Automatisierung und Selbstbedienung.
Das Archivierungsobjekt:  in Zukunft vermutlich fragmentarischer, variantenreicher und flüchtiger.
Archivmedium und Archivsicherheit:  konkrete Szenarien der Betriebs-, Bestands- und Katastrophensicherheit.
Tracking: In der Nachfolge unserer guten alten Entlehn-History steht ein Konglomerat von Logfiles, Fingerprint- und Watermark-Datenbanken.
Metadatenquellen: Automatisierbarkeit  gliedert sich in „Harvesting“ und „Mining“ – Einschätzung von Potenziale und Grenzen.
Die Position des Archivs: Das Archiv als multimedialer „Content-Hub“ für crossmediale Produktion wird, sowohl in repertoirefähigen Ganzstücken wie in Ausschnitten, unserer Auffassung nach seine zentrale Rolle behalten. Es stellt sich die Frage, ob das Archivsystem auch zum zentralen „Metadatenaggregator und -verteiler“ werden kann bzw. soll.


Panel 1: Neuland

"Willkommen im World Café Neuland" (Moderation)
Andreas Dan (DRA – Deutsches Rundfunkarchiv)

Ist der Niedergang der Mediendokumentation angesichts von Geldknappheit und zunehmender Maschinen-Intelligenz nur eine Frage der Zeit? Oder müssen wir „nur“ die richtigen Antworten auf die Bedürfnisse unserer Kunden im digitalen Zeitalter finden, um die Mediendokumentation für die Zukunft zu rüsten?
Oder ist all die Zukunftsangst fehl am Platze, da es in Medienarchiven auch immer Mediendokumentare geben wird? 
Wie sehen Sie die Zukunft unserer Zunft und unseres Berufsbildes? Im Panel, "Willkommen im World Café Neuland" haben Sie die Gelegenheit Ihre Gedanken und Ideen zur Zukunft der Mediendokumentation aktiv einzubringen. Denn nach zwei spannenden Impuls-Vorträgen, die die Veränderungen des Journalismus im digitalen Zeitalter und die Reaktion der Mediendokumentation hierauf beleuchten, sind alle Panel-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer eingeladen im  „World Cafè“ über neue Geschäftsfelder, Kernaufgaben, Risiken und Chancen der Mediendokumentation zu diskutieren. „Neuland“ wird also nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Panel-Form betreten.

Wie hat sich Journalismus in den letzten Jahren verändert?
Thomas Laufersweiler (ARD Online l ARD-Onlinekoordination)
Früher existierten TV, Radio und Print getrennt – heute fließen die Inhalte online zusammen. Das ändert die Anforderungen an Journalistinnen und Journalisten. Beispiel Metadaten: Hochwertige Schlagwörter sind unverzichtbar für die Präsentation des Beitrags auf Webseiten, auf Drittplattformen, in Social-Media-Kanälen, für die Suchmaschinenoptimierung und für die Personalisierung. Der personalisierte Zugang zu Inhalten wird immer mehr zum Standard: Der Nutzer entscheidet, was ihm angeboten wird. Dafür müssen Redakteure lernen, das Interesse des Nutzers zu berücksichtigen und mit Hilfe von unterstützenden Algorithmen zu arbeiten. Viele Journalisten werden zwar trimedial ausgebildet, aber ohne Grundkenntnisse in Social-Media-Kommunikation, Programmieren, Webdesign und Datenjournalismus kann ein Redakteur die Möglichkeiten, seinen Content zu präsentieren, nicht ausschöpfen. Der Journalist muss sich der Herausforderung stellen, dass der Nutzer Inhalte mittlerweile in seiner Social Media Timeline auf dem Smartphone entdeckt und konsumiert. Was bedeutet das für die Konzeption, für die Länge, für die mediale Präsentation des journalistischen Inhalts? Diese und viele andere Fragen müssen Journalisten heute und in Zukunft beantworten.

Wie hat sich die Mediendokumentation verändert?
Susanne Willuhn (DW - Deutsche Welle)
Die sich wandelnde Medienlandschaft und der beschleunigte Journalismus haben Aufgaben und Tätigkeiten von Dokumentaren in Medienarchiven stark beeinflusst. Immer mehr Material muss zeitnah erschlossen und aktuell bereitgestellt sowie eine wachsende Zahl an Infodiensten bestückt werden. Der Gesichtspunkt der Prozessoptimierung steht hierbei zunehmend im Vordergrund.
Damit wir unsere Aufgaben besser und schneller erledigen können, stehen uns zum einen neue und intelligente Technologien zur Seite. Zum anderen arbeiten wir vermehrt kooperativ und arbeitsteilig. Digitalisierung, Automatisierung, Vernetzung und Kooperation prägen heute unser Umfeld. Die intelligenten „Maschinen“ laufen aber (noch?) nicht von selbst, sondern müssen administriert, trainiert und justiert werden; unterschiedliche Systeme und Daten wollen vernetzt und integriert werden usw. Und auch auf der Arbeitsebene muss die Verständigung sichergestellt sein, müssen Informationen und Wissen ausgetauscht werden.
Der Beitrag möchte einen Abriss über wesentliche Veränderungen und Herausforderungen der letzten Jahre geben und zu Gedankenspielen über die Zukunft unseres Berufes anregen.


Panel 2: Presse

Moderation
Ute Essegern (DDV Mediengruppe GmbH & Co. KG)
Für Pressearchive heißt Change Management, sich auch auf verändernde Lese- und Mediennutzungsgewohnheiten einzustellen. Das Panel Presse nähert sich diesem Thema von zwei Seiten. Was können Museen und Archive tun, um die Zeitungsleser von morgen heute schon für Printprodukte zu begeistern? Das fragt sich beispielsweise das Zeitungsmuseum in Wadgassen, wenn es gilt, Ausstellungen zu konzipieren. Welche Artikel interessieren den Leser heute und wie intensiv werden die Artikel wirklich gelesen? Das fragen sich die Mehrwertmacher aus Dresden, wenn sie die Lesegewohnheiten von Zeitungslesern auswerten. Und ganz nebenbei bieten sie interessante neue Aufgaben für Mediendokumentare. Beide Themen haben eines gemeinsam  - die Suche nach Möglichkeiten, den Printmedien eine Zukunft zu geben.

Das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen
Christian Göbel (Deutsches Zeitungsmuseum)
Die Präsentation stellt das 2004 in Wadgassen eröffnete Deutsche Zeitungsmuseum vor. Neben einem Überblick über die Sammlung des Museums und die dazugehörige ständige Ausstellung thematisiert der Vortrag vor allem die Herausforderungen der Museumsarbeit angesichts der rasanten Veränderungen im Pressewesen. Wie positioniert sich ein klassisches kulturhistorisches Museum gegenüber einer Mediengesellschaft, in der das zentrale Sammlungsgut – die Zeitung – vielleicht bald nicht mehr in seiner traditionellen Erscheinungsweise auf Papier existiert? Und wie setzt das Museum eine zentrale gesellschaftspolitische Forderung, Schülern Medienkompetenz zu vermitteln, um?

Projekt Lesewert: eine Einschaltquote für Tageszeitungen – was Leser wirklich lesen
Denni Klein (Die Mehrwertmacher GmbH)
Was wollen Leser wirklich? Oder besser gesagt: Was lesen Leser wirklich? Lesewert gibt Redaktionen seit fünf Jahren auf beide Fragen eine Antwort, und zwar täglich live. Es sind tatsächlich zwei Fragestellungen, denn Leser sind so vielschichtig wie das Leben selbst. Geschlecht und Alter, Bildung und Wohnort, Familienstand, Einkommen und beeinflussen Leseinteressen. Gestaltung, Darstellungsformen und gesellschaftlich erlerntes Verhalten fließen mit ein. Aber am Ende gibt es ein zentrales Kriterium: Die Relevanz des Themas. Erst dieser Kontext macht aus Messdaten Werte, die Zeitungen helfen, täglich noch besser zu werden. Der Erfolg ist in langfristigen Auswertungen von Millionen Lesewerten sichtbar.

Projekt Lesewert: eine Einschaltquote für Tageszeitungen – die Neuentdeckung dokumentarischer Dienstleistungen
Martin Mai (Die Mehrwertmacher GmbH)
Lesewert ist Datenerhebung, -analyse und -auswertung. Tausende von gescannten Zeilen, aus denen sich errechnet, welche Artikel die Leser besonders interessiert haben, fließen täglich in die Datenbank. Mit wenigen Klicks lassen sich die Top-Artikel des Tages oder eines monatelangen Messzeitraums ermitteln. Doch je tiefer die Fragen gehen, die an die Daten gestellt werden, desto wichtiger sind weitere Informationen, die ihnen hinzugefügt werden. Automatismen können nicht auslesen, ob ein Artikel ein Feature oder eine Reportage ist, ein Geschichtstext oder ein Porträt. Um dennoch beantworten zu können, welche Darstellungsformen am besten beim Leser ankommen, existiert das Codierungstool, eine Oberfläche zur dokumentarischen Erschließung.
Hier erwacht ein zuweilen totgeglaubtes Instrument der Mediendokumentation wieder zum Leben. Indem Artikel mit Informationen zu Platzierung auf der Seite, Darstellungsform des Stücks und Schlagworten versehen werden, ergeben sich neue, spannende Auswertungsmöglichkeiten. Welche sind die Top-Themen der Zeitung? Welche Trends lassen sich verzeichnen? Bei welchen Geschichten bleibt der Leser hängen, was überliest er?
Die dokumentarische Arbeit ist die Schnittstelle zwischen dem stetig wachsenden Datenschatz und interpretierbaren Visualisierungen, die wertende Aussagen erlauben. Sie ermöglicht es, das Potential von Lesewert auszuschöpfen und so letztlich Antworten zu liefern auf die wichtige Frage: was lesen Leser wirklich?


Panel 3: TV/Video

Moderation
Frank Dürr (WDR Funkhaus Düsseldorf)
Dokumentarisch-archivarische Fragen drehen sich auch im digitalen Video-Zeitalter weiterhin um die Fragen, wie ich mein Material distribuiere, wie ich für dessen langfristigen Bestand sorge und dabei meine Arbeit möglichst effizient gestalte. Wir haben uns vorgenommen, in diesem Jahr diese Gesichtspunkte im Video-Panel zu berücksichtigen.
Studio71 wird aufzeigen wie Videoinhalte auf unterschiedlichste Plattformen verteilt und neue Geschäftsfelder entwickelt werden. Cube-Tec legt den Finger in die Wunde, dass auch Videofiles, die vor Jahren digitalisiert wurden leider nicht unbedingt auf ewig lesbar sein müssen und auch diese gepflegt und repariert sein wollen. Der Praxiseinsatz von Videofingerprintverfahren im BR soll das intellektuelle Zuordnen und Erkennen von Bewegtbild durch technische Verfahren erleichtern. Das Panel bewegt sich also durch unterschiedliche Fragestellungen der aktuellen Videodokumentation und Videoarchivierung und die Teilnehmer können diese mit unseren Referenten lebhaft diskutieren.

Vom TV ins Netz – die Multi-Channel-Network Story
Johannes Schmidbauer (Studio71 GmbH)
Jede Minute werden auf YouTube 400h Videomaterial hochgeladen. Eine unfassbare Zahl und eine große Herausforderung für Creators und Distributoren. Denn neben dem etablierten Leitsatz „Content is King“, gilt in diesem Content-Chaos eine neue Wahrheit: „Attention is the kingmaker“.
Wie und warum Inhalte sichtbar werden und welche Regeln man beachten muss, um nachhaltig organische Reichweiten zu generieren, ist eine der Kernkompetenzen von Studio71, dem Multi-Channel-Network der ProSiebenSat.1 Media SE.
Im August 2013 gegründet, ist Studio71 mittlerweile führender Anbieter von Webvideo-Produktionen im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin bündelt sowohl das Angebot an Web-Only-Inhalten der Sendergruppe, als auch von Social Influencern und Content-Partnern unterschiedlichster Genres.
Der Vortrag zeigt die Entwicklung von Studio71 und möchte anhand konkreter Case Studies einen Einblick in die konzeptionellen und operativen Herausforderungen eines Multi-Channel-Networks geben.

Unerwartete Obsoleszenzen in dateibasierten AV-Archiven
Jörg Houpert (Cube-Tec International GmbH)
Mit der Einführung von file-basierten Workflows in Medienorganisationen haben auch vielfältige audiovisuelle Dateiformate ihren Einzug in AV-Archive gefunden. Produkte die Mediendateien verarbeiten, haben sich in kurzen Zyklen dynamisch weiterentwickelt und haben dabei auch immer besser die Vorgaben der Medienstandards befolgt. In den Videoarchiven lagern nun jedoch Mediendateien mit den »Kinderkrankheiten« aus zehn Jahren Lernerfahrungen der Hersteller von file-basierten Medienprodukten. Auch die Medienformatstandards selbst mussten einen Reifungsprozess durchlaufen, mit neuen - nicht immer rückwärtskompatiblen Versionen – und immer detaillierteren Beschreibungen, wie die Standards zu interpretieren sind. Interessant ist auch wie sich die Messgeräte in ihrer Fähigkeit die Unzulänglichkeiten bei AV-Dateiformaten zu erkennen weiterentwickelt haben.
Wird die erste Dekade des Videodateizeitalters womöglich langfristig die gleichen Lücken aufweisen, wie heute die erste Dekade des Stummfilms oder die erste Dekade der Wachswalzen-Tonaufzeichnung? Werden technologisch begabte Archivare in Zukunft die Bits und Bytes der Medienformate variieren, um doch noch auf einzelne Inhalte zugreifen zu können, so wie heute Experten die richtige Abspielgeschwindigkeit von frühen Schelllackplatten rein nach Gehör versuchen zu rekonstruieren?  Oder wird eines der nächsten DOT.com Start-up Unternehmen einen Algorithmus entwickeln, der alle Medienformatfehler vollautomatisch reparieren kann?
Im Rahmen des Europäischen Forschungsprojektes DAVID – Digital AV Media Damage Prevention and Repair hat sich der Autor zweieinhalb Jahre mit Fragestellungen und Möglichkeiten zur Reparatur von Mediendateiformaten beschäftigt. Aus den Forschungsergebnissen lassen sich die Risiken für zukünftige Format-Obsoleszenzen einigermaßen seriös abschätzen und es lassen sich klare Handlungsempfehlungen ableiten, wie diese Risiken zu minimieren sind. Der Vortrag möchte diese Ergebnisse vorstellen.

Praxiseinsatz von Videofingerprintverfahren in der Videodokumentation des BR
Gabriele Wenger-Glemser (Bayerischer Rundfunk)
Metadaten sind das Zauberwort der digitalen Welt. Allein dokumentarisch und intellektuell erstellte Metadaten genügen den Anforderungen der beschleunigten digitalen Workflows, den neuen Distributionsmöglichkeiten und semantischen Suchverfahren nicht. Automatisierte Verfahren müssen zur Erzeugung von Metadaten genutzt werden. Die Entwicklung von Anwendungsfällen für den Einsatz neuer Techniken ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt entscheidend. Vorgestellt wird ein Anwendungsfall aus der Praxis. Durch den Einsatz eines Verfahrens zur Bildanalyse können verschiedene Video-Fassungen automatisiert und schnell abgeglichen werden. Die Archivierung von Videofassungen wird deutlich erleichtert.


Session 4: Open Access

Moderation
Dr. Veit Scheller (ZDF – Zweites Deutsches Fernsehen)
Zu Beginn der 1990er Jahre entstand unter dem Druck hoher Kosten die international getragene Idee der Wissenschaft freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen und anderen Veröffentlichungen im Internet zu schaffen. Die Forderungen dieser Open-Access-Bewegung haben sich inzwischen auch auf andere Materialien im Internet erweitert. Ein wissenschaftliches Dokument unter „Open-Access“ zu publizieren, gibt jedermann die Erlaubnis, dieses Dokument zu lesen, herunterzuladen, zu speichern, zu verlinken und zu drucken. Darüber hinaus können über sogenannte Freie Lizenzen verschiedene  Nutzungsrechte eingeräumt werden.
Wie sieht es nun damit im Bereich der audiovisuellen Überlieferung aus? Ist Deutschland auf diesem Gebiet eine Open-Access-Wüste, wie oft behauptet wird? Welche Erfahrungen haben Einrichtungen gesammelt, die Teile ihrer AV-Überlieferung über Portalseiten im Netz anbieten? Welche Portale außerhalb der eigenen Homepages gibt es eigentlich zur Präsentation von Archivgut?
Die Session 4 möchte anhand von drei Beispielen zeigen, dass auch heute schon audiovisuelles Kulturgut oder dessen Metadaten im Internet für alle frei zur Verfügung stehen und dass der Open-Access-Gedanke auch für „etablierte“ AV-Archive eine Chance darstellt.

Alle Archive ins Netz! – das Archivportal-D
Daniel Fähle (Landesarchiv Baden-Württemberg)
Seit September 2014 ist es online, das zentrale deutsche Archivportal. Das zugehörige DFG-Projekt, das seit 2012 zunächst auf den Aufbau und anschließend insbesondere auf den Dateningest abzielte, wird nun in diesem Jahr auslaufen. Ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf die bislang im Projekt erreichten Ergebnisse zu werfen und den aktuellen Stand des Portals selbst, also Nutzeroberfläche und Recherchemöglichkeiten vorzustellen. Natürlich wird in diesem Zusammenhang auch auf die Perspektiven zum inhaltlichen Ausbau und die technische Weiterentwicklung einzugehen sein. Im Zentrum sollen jedoch die beiden Fragen stehen, welche Teilnahmemöglichkeiten am Archivportal-D und damit an weiteren übergreifenden Portalen auf europäischer Ebene bestehen und welche Vorteile gerade auch Medienarchive aus einer Beteiligung ziehen können. Thematisiert werden einzelne Problemfelder (z. B. Rechtefragen), die die Aufwandsseite für teilnehmende Einrichtungen näher beleuchten. Auf der anderen Seite sollen die Mehrwerte (Sichtbarkeit, Reichweite, Vernetzung, Nutzerorientierung) einer Portalbeteiligung herausgestellt werden. Das Ziel des Beitrags besteht insbesondere darin, interessierten Kolleginnen und Kollegen konkrete, praxisnahe Informationen zum Archivportal-D mit auf den Weg zu geben und darzustellen, warum eine Beteiligung lohnenswert ist.

EFG – The European Film Gateway

Julia Welter (Deutsches Filminstitut – DIF e.V.)
Seit vielen Jahren bereits digitalisieren europäische Filmarchive ihre Bestände. Mit dem vom europäischen Kinemathekenverbund ACE initiierten Projekt EFG – The European Film Gateway hat das Deutsche Filminstitut gemeinsam mit seinen europäischen Partnern ein Portal entwickelt, das Recherche und Zugriff auf über 650.000 digitalisierte Objekte ermöglicht: Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme, Wochenschauen, Foto- und Plakatsammlungen sowie filmbezogenes Schriftgut  von inzwischen 34 Archiven aus 22 Ländern. Es fungiert darüber hinaus als sogenannter Aggregator für die Europeana. Die gemeinsame Plattform hat Filmarchive unterschiedlichster Größe und Herkunft in die Lage versetzt, internationale Digitalisierungsprojekte wie EFG1914, das 3.000 Filme aus und über den Ersten Weltkrieg digitalisiert und im Web zugänglich gemacht hat, gemeinsam durchzuführen. Der Vortrag zeichnet die Geschichte des EFG nach und erläutert das aktuelle Angebot sowie die anstehenden Herausforderungen. Er spürt außerdem der Frage nach, welche Rolle Aggregator-Portale wie das EFG und das European Film Gateway heute noch spielen können oder müssen.

Freier Zugang zu wissenschaftlichen Filmen –
das AV-Portal der Technischen Informationsbibliothek (TIB)

Margret Plank (TIB - Technische Informationsbibliothek)
Mit dem AV-Portal hat die TIB gemeinsam mit dem Hasso-Plattner Institut eine nutzerorientierte Plattform für wissenschaftliche Filme entwickelt. Das Portal ermöglicht den freien Zugang zu hochwertigen Computervisualisierungen, Simulationen, Experimenten, Interviews sowie Vorlesungs- und Konferenzaufzeichnungen aus dem Bereich Technik und Naturwissenschaften.  Die automatische Videoanalyse des TIB|AV-Portals umfasst eine strukturelle Analyse (Szenenerkennung) sowie eine Text-, Audio- und Bildanalyse. Die automatische Erschließung des AV-Portals beschreibt die Videos auf Segmentebene und ermöglicht dadurch eine zielgenaue Suche innerhalb der Videos. Die Filme sind mit einem Digital Object Identifier (DOI) versehen und somit eindeutig referenzierbar.  Die einzelnen Filmsegmente werden mit einem Media Fragment Identifier (MFID) versehen, mit dem das Video sekundengenau  referenziert und zitiert werden kann. Die Urheber der AV-Medien können zwischen einer Open-Access-Lizenz und einer Einverständniserklärung wählen und so entscheiden, wie Sie der TIB die Materialien zur Verfügung stellen wollen. Die TIB empfiehlt die Lizenz „CC-Namensnennung – Deutschland 3.0“. Diese Lizenz gewährleistet die Nennung des Urhebers und gestattet eine umfassende Nutzung von AV-Medien in Forschung und Lehre.


Session 5: Recht & Gesetz

Moderation
Gudrun Menze (dpa – Deutsche Presse Agentur GmbH)
Rechte spielen in der digitalen Medienlandschaft eine zentrale Rolle: die einen wollen als Contentproduzenten ihre Rechte gewahrt wissen, die anderen schlagen sich bei der Erstellung und Verbreitung von Medienbeiträgen damit herum, Nutzungsrechte Dritter nicht zu verletzen. Zentraler Angelpunkt in diesem Spannungsfeld sind dabei die rechtlichen Vorschriften, die eigentlich für einen Interessensausgleich sorgen sollen.  Ein Beitrag informiert über neue Gesetzesvorhaben und wichtige Urteile. Zudem kommen die Nutzer zu Wort: Zum einen ein Stadtarchiv, das historische Fotos nicht nutzen kann, weil die Urheberrechte nicht mehr zu klären sind. Zum anderen die Deutsche Welle, die wegen ihrer weltweiten Verbreitung höchst komplexe Anstrengungen zur Rechteklärung ergreifen muss, will sie sich rechtskonform verhalten.

Zeit für eine Debatte – das Urheberrecht im archivischen Alltag
Hans-Christian Herrmann (Stadtarchiv Saarbrücken)
In den deutschen Archiven liegen Millionen von Fotografien. Heimatforscher, Historiker und andere Wissenschaftler, aber auch Schüler und Studenten interessieren sich immer stärker für diese Archivaliengattung. Das Interesse an historischen Bildbänden ist ungebrochen. Bilder machen Geschichte und erzählen sie zugleich. Viele dieser Fotos sind zu einem Zeitpunkt entstanden, in denen das Urheberrecht weder die Regelungsdichte noch die extremen Fristen von heute kannte. Auch die Urheber selbst haben die für die Beachtung der Urheber- und Verwertungsrechte erforderlichen Angaben nicht hinterlassen. Diese Überlieferungsrealität führt bei der Anwendung des geltenden Rechts dazu, dass massenhaft Fotografien, die mit hohem Ressourcenaufwand in öffentlichen Archiven vorgehalten werden und Ergebnis jahrzehntelanger archivischer Arbeit sind, für die Öffentlichkeit nicht nutzbar sind.
Weiten Teilen der Öffentlichkeit ist dies gar nicht bewusst, weil im Alltag massenhaft gegen das heutige Urheberrecht verstoßen wird, ohne dass dies den Betreffenden bewusst ist. Ist es nicht Zeit für eine Novellierung des Urheberrechts mit dem Ziel der Vereinfachung insbesondere mit Blick auf die Nutzung historischer Fotografie? Der Referent sieht in den Medienarchivaren die prädestinierte Zielgruppe, eine solche Diskussion anzustoßen. 

Aktuelle Entwicklungen im Urheberrecht und Leistungsschutzrecht
Georg Wallraf (SKW Schwarz Rechtsanwälte)
Der Vortrag wird sich mit zwei Gesetzgebungsvorhaben, dem Leistungsschutzrecht der Presseverleger und aktuellen Entscheidungen aus der Rechtsprechung beschäftigen. Neben Informationen zur Verabschiedung des VerwertungsgesellschaftsG , das das bisherige UrheberrechtswahrnehmungsG ablösen soll, wird vor allem der aktuelle Stand zum heftig diskutierten Entwurf für eine Novellierung des  Urhebervertragsrechtes behandelt. Der Gesetzgeber hat vor, durch restriktive Regelungen zur Rechteinräumung (Vermeidung von Pauschalvergütungen,  Auskunftsanspruch, Rückrufrecht) vor allem gemeinsame Vergütungsregeln zu stärken. Dies soll begleitet werden mit einem sog. Verbandsklagerecht, das in erster Linie den Verbänden der Urheber die Möglichkeit geben soll, Abweichungen von gemeinsamen Vergütungsregeln gerichtlich verbieten zu lassen. Dann sollen die Bemühungen der Verlage zur Umsetzung des Leistungsschutzrechtes der Presseverleger dargestellt werden. Abgerundet wird der Vortrag durch einen Blick auf aktuelle höchstrichterliche Entscheidungen zum Urheberrecht.

Darf ich das? Sichere Rechtebeurteilung für alle und überall
Ingo Daniels (DW- Deutsche Welle)
Uta Hardes-Schmeißer (DW - Deutsche Welle)
Für die weltweite Verbreitung der Sendungen und Beiträge der Deutschen Welle spielen Nutzungsrechte eine wesentliche Rolle. Die Auskunft hierüber erfolgt qualifiziert als leicht verständliche Ampelfunktion durch das Rechtemanagementsystem REIS. Diese ist für jeden Mitarbeiter zugänglich und zwar immer dort, wo sie benötigt wird: Bei der Materialbestellung, im Redaktionssystem, beim Media-Asset-Management oder im Archivsystem. Da die konkrete Nutzung von rechtegeklärtem Material z.B. an Verwertungsgesellschaften oder Agenturen gemeldet werden muss, wird jede Verwendung über eine „Digitale Verwendungsnotiz“ dokumentiert. Auch hier ist REIS involviert und informiert über eine mögliche Wiederverwendbarkeit des Materials, z.B. für eine Internet-Nutzung oder die Weitergabe des Materials an Dritte. Damit die hierfür notwendige Datenbasis möglichst automatisiert hergestellt werden kann, hat die Deutsche Welle Fähren und Brücken zwischen teilweise vormals autonomen Dateninseln geschaffen. Ein zusätzliches Ergebnis: Die Archivsysteme der Deutschen Welle sind jetzt miteinander verbunden.

Zugang für alle? Online-Rundfunkarchive aus rechtlicher Sicht
Till Kreutzer (iRights.Law Rechtsanwälte)
Die Archive der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten enthalten einen enormen Schatz von Inhalten, die zeitgeschichtlich, kulturell, gesellschaftlich und aus vielerlei anderen Perspektiven von großem Interesse sind. Dieser Schatz vermehrt sich ständig.
Die weitaus meisten dieser Inhalte sind online nicht, jedenfalls nicht dauerhaft frei verfügbar. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Gründen, die u. a. auch rechtlicher Natur sind. In Zeiten verstärkter Online-Nutzung und einer erheblichen Veränderung des Nutzungs- und Rezeptionsverhaltens nachfolgender Generationen wird der Wunsch oder gar die Forderung nach einer dauerhaften – mehr oder weniger freien – Verfügbarkeit der Online-Archive des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zunehmend vehement geäußert. Daraus ergibt sich ein Anlass, wenn nicht gar eine Notwendigkeit, zu untersuchen, ob und unter welchen Umständen solche Angebote rechtlich möglich sind. Welche Begrenzungen ergeben sich aus dem geltenden Medien-, Urheber- oder Datenschutzrecht? Welche Rechtsänderungen müsste man ggf. vornehmen, um die dauerhafte Verfügbarmachung von öffentlich-rechtlichen Rundfunkarchiven zu ermöglichen?

 

 

Letzte Änderung: 05.04.2016