Home | Sitemap | Impressum

Frühjahrstagung in Bonn

Tagung 17
newcomer forum
Call for Papers Zur newcomer-page | Call 2018
Preisträger 2017

Presseinformationen
Innovative Medienprojekte mit renommiertem Marianne-Englert Preis ausgezeichnet
pdf Pressemitteilung
20jähriges Jubiläum des vfm.
pdf Pressemitteilung

Seminare
pdf Jahresprogramm 2017
Mitgliederportal
Tagungsdokumentation 2017
Fotodokumentation 2017
vfm und social media

twitter www.facebook.com/ mediendokumentation medoc

Bericht der Frühjahrstagung  vom 4.-7. Mai 1992 in Düsseldorf 

Information als Wert, Information als Ware

In: INFO 7, 2/92


Zur Frühjahrstagung der Medienarchivare und -dokumentare 1992 in Düsseldorf

Das Thema "Information als Wert, Information als Ware"‚ paßte gut zum Tagungsort, und auch die kontrapunktischen Streikaktivitäten des öffentlichen Dienstes, von denen sich unversehens eine eher verunsicherte Teilnehmerschar betroffen fühlte, konnten die Tagung nicht entscheidend oder gar negativ beeinflußen. Information als Wert ­ Information als Ware" im Umfeld der mächtigen Zentraleinrichtungen von Banken und Geldinstituten, der die Informationen nicht selten verschleißenden großen Medieneinrichtungen. Düsseldorf war der rechte Ort für dieses Thema und die Tagung insgesamt ­ trotz kleiner organisatorischer Pannen ­ durchaus ein Erfolg - wenn auch mit Abstrichen.

Faszinierend zur Eröffnung Heik Afheldt von der Verlagsgruppe Handelsblatt mit seinem Vortrag Informationsmarkt in Europa nach 1992, der nicht nur durch die geschliffene Diktion, sondern vor allem auch durch die Souveränität einer ungebrochenen marktwirtschaftlichen Zuversicht in bezug auf Wachstum und Konzentration bestach. Dennoch blieben Fragen nach der Inflation von Information ­ allein in der Bundesrepublik Deutschland überschwemmen täglich durchschnittlich 3.500 Meldungen der einschlägigen Agenturen den Markt ­ und deren Verarbeitung, oder besser noch deren Bewertung, offen. Dies umsomehr, als auch eine Relativierung des Wertes und des Einflusses von Informationen und eine Beurteilung der gesellschaftspolitischen Auswirkungen ausblieben. Damit sind wir aber bei einem Grundproblem unseres Berufsstandes: Wie filtern wir ohne Beschränkung und ideologische Verengung das Erhaltenswerte und wie begegnen wir der Gefahr, daß auch archivische Sammlungen und Dokumentationsbestände nicht lediglich die Trends und monopolistischen Tendenzen der Informationsmacher widerspiegeln.

In anderer Form spielte dieses Thema auch im Rundgespräch Wieviel ABD braucht ein Medienunternehmenö. unter Leitung von Marianne Englert eine gewichtige Rolle. Antwort: so viel, wie es seinem publizistischem Selbstverständnis zumuten kann - ein Ergebnis, das möglicherweise alle oder auch niemanden wirklich zufriedenstellt.

Spannend war auch das Thema, das leider allzu proseminarmäßig abgehandelt wurde: Kommunikations-Design ­ Form und Inhalt. Hiltrud Thöne schien zunächst gar nicht aufzufallen, daß ihr Wissenschaftsbereich nicht wenig in Gefahr ist zum Handlanger von Wirtschaftsinteressen zu verkommen. Jedenfalls blieb die Linie, die sie zwischen Kommerz und wissenschaftlichem Ethos zog, verschwommen und damit in vielfacher Hinsicht mehrdeutig.

Seit einigen Jahren bemüht sich die Fachgruppe der Presse-, Rundfunk­ und Filmarchivare bei ihren Frühjahrstagungen um thematisch/inhaltliche Homogenität ihrer Veranstaltungen. Dies war auch in Düsseldorf erfolgreich: Hanna Klenk-Schuberth führte ihre Text-AG zielstrebig zur Frage der Vermarktung von Informationen als journalistischen Rohstoff (Rainer Sadrozinski, Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten), deren zielgerichteter Aufbereitung (Claus Niedermaier, Handelsblatt) und zur Logistik der Verteilung der Ware Information (Dick Barber, Fa. Crossfield), ohne den Verbraucher, den Leser also, ganz außer acht zu lassen.

Brigitte Grimm setzte mit der AG Tondokumente Akzente hinsichtlich der ökonomischen Aspekte und Leitmaßstäbe eines Schallarchivs (Martin Gläser, SDR) und einer aktiven, wenn nicht offensiven Vermarktung von Archivleistungen (Michael Crone, HR). Dafür, daß dabei auch der Quellennutzungsaspekt nicht aus dem Auge verloren wurde, sorgte Michael Harms vom Südwestfunk.

In der Arbeitsgruppe AV-Dokumente endlich, ging es um Fragen der Werterhaltung der AV-Überlieferung und in diesem Zusammenhang um die Methoden und Verfahren der langfristigen Sicherung der Bestände als Voraussetzung für jede Form von Nutzung. Harald Brandes vom Bundesarchiv, Herbert Hayduck vom ORF und (nur mit Referat vertreten, da aufgrund des Streiks in München festgehalten) Rüdiger Steinmetz (Hochschule für Fernsehen und Film) waren die Referenten. Als Ergebnis sind weitreichende Aktivitäten der AG AV-Dokumente gegenüber zentralen Rundfunk­ und Filmorganisationen mit entsprechender Breitenwirkung zu vermelden.

Bleibt noch hinzuweisen auf die Standortbestimmung der Fachgruppe durch ihren Vorsitzenden Eckhard Lange am 07. Mai 1992: Einiges ist erreicht bzw. reaktiviert, so die eigene Fortbildungsreihe für Medienarchivare und -dokumentare, deren Koordination dankenswerterweise die Ehrenvorsitzende Marianne Englert übernommen hat, ebenso wie die Fortsetzung der postgradualen Ausbildung zum Wissenschaftlichen Dokumentar beim neu eingerichteten Dokumentationsinstitut in Potsdam. Anderes ­ z.B. die Bemühungen um eine Verbesserung der Situation, vor allem der kleineren Pressearchive ­ bleibt immer noch ein Desideratum. Dennoch, die Medienarchivare und -dokumentare sind auf dem richtigen Weg ­ ein Zeichen der Attraktivität der Fachgruppe sind auch ihre enormen Mitgliederzuwachsraten -, wenngleich man sich nach innen noch mehr Arbeitsteiligkeit und nach außen, trotz INFO 7, noch mehr Ressonanz wünschen würde. Düsseldorf war im Fahrplan der Fachgruppe eine gute Station, auch dank der Gastfreundschaft von Stadt, Sponsoren und Fachkollegen. In Regensburg 1993 werden neue Schwerpunkte gesetzt - die Behandlung von Fragen einer inhaltlichen Bewertung der audiovisuellen Quellenüberlieferung ist einer von ihnen.

Heiner Schmitt

 

02.03.2009